Montag, 4. April 2011

Ägypten: El-Baradei droht mit Krieg; strategische Annäherung an Teheran

El-Baradei [l.] mit Ali Larijani
Der Möchtegern-Führer der ägyptischen Opposition, Friedensnobelpreisträger und Präsidentschaftskandidat Mohammed el-Baradei hat im ägyptischen Fernsehen Israel mit Krieg gedroht, sollte es in Gaza eine neue Antiterroroperation starten. Im Rahmen seines "Wahlkampfes" um die  ägyptische Strasse hat er "eine Reihe von schicksaltragenden innen- und aussenpolitischen Entscheidungen" angekündigt. So werde er den Grenzübergang Rafah zwischen Gaza und Ägypten uneingeschränkt öffnen und im Falle einer "zionistischen Aggression" sich "an der Seite der 'Palästinenser' einmischen". Er werde eine "gesamtarabische Allianz" schmieden, um gemeinsam gegen Israel vorzugehen. Dieses kriegerische Auftreten wird ohne Zweifel seine Akzeptanz in Ägypten steigern, ob dies allerdings ausreicht, um sich gegen den Mitbewerber Amr Moussa von der arabischen Liga durchzusetzen, bleibt abzuwarten.
Im Bericht an den Knesset-Ausschuss für Aussen- und Verteidigungspolitik über die Entwicklungsperspektiven in den arabischen Nachbarländern hat der Leiter des israelischen Militärgeheimdienstes AMAN Gen. Aviv Kohavi gestern die Zuversicht geäussert, dass Ägypten den Friedensvertrag wahren wird, unabhängig davon, wer dort nach der Beendigung der Junta-Herrschaft an die Macht kommt. Ein Teil der gestrigen Ausschuss-Sitzung fand allerdings hinter verschlossenen Türen statt - ebendort sind wohl die realen Perspektiven der Beziehungen zu Ägypten gezeichnet worden. Dort ist mit ziemlicher Sicherheit auch der Kurswechsel Kairos Richtung Teheran diskutiert worden. Vor wenigen Wochen hatte der jetzige ägyptische Aussenminister Nabil al Arabi erklärt, dass Ägypten "ein neues Blatt" in den Beziehungen mit dem Iran aufschlagen wolle. Wie die ägyptische Staatszeitung Al Ahram berichtet, führen Teheran und Kairo regelmässige Konsultationen über die Wiederaufnahme von diplomatischen Beziehungen im vollen Umfang. Diese wurden vom Teheran nach dem Sieg der islamischen Revolution 1979 und der Zuflucht von Schah Mohammad Reza Pahlavi in Ägypten aufgekündigt. In seinem Bericht hat Gen. Kohavi zudem darauf hingewiesen, dass auch nach der Machtübernahme durch die Junta die Sicherheitslage auf der Halbinsel Sinai weiter prekär bleibt und sich eher noch verschlechtert. Gleichzeitig nützen Teheran und die Hisbollah die Schwäche des ägyptischen Staates für den Ausbau ihrer Terrornetzwerke auf der Halbinsel.

Kommentare:

  1. Es wird wohl reichen , seine Chancen in Ägypten zu stärken, aber nach der Revidierung des Goldstone Reports, dürfte klar sein, auf welcher Seite die Freie Welt steht. Am Ende steht dann eine Widerbesetzung des Sinai

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  2. Was werden die sehr sunnitischen Muslimbrüder dazu sagen, wenn die ägyptische Regierung mit den häretischen Schiiten gemeinsame Sache macht?

    Solange es um das blockierte Gaza ging, war gut einig sein, aber bei ständig offenen Grenzen zwischen Ägypten und Gaza?

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  3. Dazu passend:

    Libysche Rebellenführer verkaufen Giftgas an Hamas und Hisbollah


    http://www.politik.de/forum/internationale/229522-libysche.html

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