Montag, 4. April 2011

Ärzte drohen mit Streik

Zu den wenigen verbliebenen Berufsgruppen in Israel, die in den letzten 12 Monaten noch nicht gestreikt haben, gehören die Ärzte. Und das soll sich morgen ändern, alle öffentlichen Krankenhäuser, Kliniken und Krankenkassen haben für Dienstag und Mittwoch einen Warnstreik angekündigt. Aus dem Gesundheitsministerium verlautete, dass nur die Einmischung des Premierministers in den Arbeitskonflikt der Beschäftigten des Gesundheitssystems mit dem Finanzministerium einen Streik abwenden kann.
Der Vorsitzende der israelischen Ärztevereinigung Leonid Edelman hat dem Staat vorgeworfen, das Pflichtbewusstsein der Ärzte rücksichtslos auszunutzen und einer unzumutbaren Arbeitsbelastung auszusetzen. Die Gewährleistung der gebührenden Gesundheitsversorgung sei unter diesen Umständen nicht möglich. Wie es sich im Vorfeld eines Streiks gehört, hat Edelman ein düsteres Bild der Lage des israelischen Gesundheitssystems gezeichnet, das sich "am Rande des Krachs" befinde, die Situation werde "schlechter von Tag zu Tag", man habe "keine andere Wahl", als zum radikalen Mittel eines Streiks zu greifen. Untypisch bei diesem Ärztestreik ist allerdings, dass nicht die Lohnerhöhungen, sondern vor allem die Aufstockung des Personals in den Kliniken gefordert wird, mindestens 1000 zusätzliche reguläre Ärztestellen sollen geschaffen werden, damit mit den Monsterschichten von 26 Stunden Schluss sei. Nach Angaben des Finanzministeriums beträgt der Durchschnittslohn eines Arztes in Israel 19.000 Schekel [~3.800 Euro], Klinikärzte bekommen im Schnitt 26.000 Schekel [5.200 Euro], führende Klinikärzte - 34.000 Schekel [6.800 Euro]. Sollte der Streik nicht "in letzter Minute", abgewendet werden, werden morgen und übermorgen nur die Notoperationen durchgeführt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen