Dienstag, 12. April 2011

Stellvertreterkrieg zwischen Merkel und Sarkozy in Tripoli

Der konzept- und ziellose Libyenfeldzug von Sarkozy und Co. gegen Oberst Gaddafi wird wohl, wie hier vor Wochen vorausgesagt, dort enden, wo er angefangen hat - im Nichts. Seit dem demonstrativen Rückzug der USA aus den aktiven Kampfhandlungen und der Weigerung der USA, Gaddafi physisch zu beseitigen, wie es Sarkozy verlangt hatte, fährt sich die Allianz der Willigen immer weiter im libyschen Sand fest, ohne den libyschen Boden auch nur betreten zu haben. Es stellt sich heraus, dass mehrere NATO-Armeen im Krieg gegen den afrikanischen Oberst impotent sind, sobald der Leitwolf - genauer: Leitschakal - ausschert. Die Allianz hat mal wieder bewiesen, dass sie nur dahinkriechende Panzerkolonnen und stehende Ziele vernichten, sowie nach Freudenschüssen ihre eigenen libyschen "Verbündeten" - ein Gemisch aus schlecht bewaffneten Jugendbanden und Jihad-Touristen -  plattbomben kann. Im grossen Flächenland - Libyen ist nicht Gaza - trifft die Allianz zivile Ziele wie Krankenhäuser, Brücken, Erdölraffinerien, tötet zahlreiche Zivilisten. Dabei hat Libyen in keinem der teilnehmenden Staaten Schulbusse angegriffen oder Sprengstoffanschläge verübt [für das Lockerbie-Attentat 1988 kommt die Vergeltung etwas zu spät].
Wie auch immer: die krankhafte Eitelkeit des neuen Napoleon allein hat für einen Regimechange in Libyen bislang nicht ausgereicht. Und es kommt noch dicker für ihn und Cameron. Am 10. April traf in Tripoli eine Delegation der Afrikanischen Union - von Anfang an Kriegsgegner - unter der Führung des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma ein, um eine "Road Map" für die Beendigung des Bürgerkriegs in Libyen zu entwerfen. Das Muster ist immer wieder dasselbe - Waffenruhe im Tausch gegen Reform(versprechen) des regierenden Regimes - und ist nicht weiter interessant. Interessant ist, dass bei den Anstrengungen zur Beendigung des Kriegs in Libyen die deutsche Bundeskanzlerin die Schlüsselrolle spielt. Debka zufolge hat sie den ehemaligen Geheimdienstkoordinator Bernd Schmidtbauer zu den Verhandlungen nach Tripoli geschickt. Er soll an der Ausarbeitung der "Road Map" für Libyen die entscheidende Rolle gespielt haben. Das Ziel: den Sturz  von Gaddafi und eine Abspaltung der Kyrenaika [Ost-Libyen] an die Rebellen verhindern. Gaddafi soll dem Plan zugestimmt haben, sein ex-Aussenminister Mussa Kussa könnte seine vorzeitige Flucht nach Londen nun bereuen, beim britischen Sender BBC hat er sich bereits gegen die Teilung des Landes ausgesprochen. Und so ist noch nicht ausgemacht, wer früher gehen wird - Gaddafi oder Sarkozy.

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