Donnerstag, 12. Mai 2011

Libyen dreht Flüchtlingshahn auf

Nach der Nachricht aus dem Weissen Haus, Bin Laden sei tot, hat die Welt für gut eine Woche Libyen und den NATO-Krieg in diesem Land vergessen. Die Luftangriffe gehen allerdings unvermindert weiter, zivile Opfer sind in diesem Fall ausserhalb des Medieninteresses. Währenddessen macht Gaddafi eine seiner Drohungen wahr: er lässt tausende afrikanische Flüchtlinge ungehindert in die Boote steigen und Richtung Europa "segeln", berichtet The Guardian. Ein NATO-Sprecher - das stärkste Militärbündnis der Welt führt seit knapp zwei Monaten einen Luftkrieg gegen den Oberst und bringt nichts auf die Reihe - hat sogar gegenüber der Zeitung behauptet, die libyschen Behörden würden die Afrikaner mit Gewalt zwingen, in die Boote zu steigen. Dies hat allerdings bislang kein einziger Fluchtling bestätigt. Das offizielle Tripoli hat inzwischen offiziell bestätigt, nichts gegen die Flut zu tun, ein Sprecher des Regimes sagte: "Wir sagen den Europäern, dass wir nicht mehr imstande sind, wie früher zu handeln, denn sie haben unsere Häfen zerstört."
Die Rolle Gaddafis bei der Zurückdrängung des Flüchtlingsstroms nach Europa war Jahrzehnte lang ein gewichtiges Grund, den grosszügigen libyschen Oberst zu tolerieren und Geschäfte mit ihm zu machen, an diese Dienstleistung fühlt er sich natürlich nicht mehr gebunden. Über die Zustände auf Lampedusa und den Streit innerhalb der EU, vor allem zwischen Italien und Frankreich, über die "Lastenverteilung" ist hinreichend geschrieben worden. Bei den selbstlosen Anstrengungen, Libyen in die Demokratie zu bomben, hat Europa leider nicht an sich gedacht.

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